Internationale Bedeutung der russischen Revolution
Grundbedingungen des Erfolges der Bolschewiki
Hauptetappen in der Geschichte des Bolschewismus
Kampf mit Feinden innerhalb der Arbeiterbewegung
Der „linke” Kommunismus in Deutschland
Revolutionäre in reaktionären Gewerkschaften
Beteiligung an bürgerlichen Parlamenten
Keinerlei Kompromisse?
Der „linke” Kommunismus in England
Einige Schlußfolgerungen
Nachtrag


left-wing-communism-an-infantile-disorder-a-reading-guide


Historical context:
Geschrieben 1920 für den Kongress der 3. Internationale.
Lenin, as always, wrote the text to solve some concrete problems / discussions in the international.
2nd international broke up due to SozDems betraying WC and voting for war credits.
Aber die junge KPD (wo wichtige geschulte Kader ermordet wurden von Freikorps etc. (Liebknecht, Luxemburg)) zieht dann überzogene, linksradikale Schlüsse: Kompletter Bruch m. SPD, raus aus Gewerkschaften, müssen eigene Strukturen machen etc
Dagegen argued Lenin scharf in diesem Book.

TLDR, es gilt: Zu den Massen & Mit den Massen
Schaun wo sie sind und nächsten Schritte mit ihnen gemeinsam machen.

Chapters 1-4

(chapter 2: summary on phases of the russian revolution; very simmilar development in rise of class war today)

flexible in tactics
fight against opportunism
compromises are necessary sometimes
don’t just repeat empty phrases but look at the concrete objective situation, class forces, development of the consciousness of the masses and the subjective factor

WoM, Offene Frage: Was ist die Diktatur d. Proletariats (wurde im Kontext d. Disziplin undso auch gementioned) / Wann / womit hört sie auf?
HauM:
Dictator == Machtausübung, nicht Tyrannei (im Sinne wie Karl Marx es verwendet hat)
ErH:
Konkret heißt Diktatur d. Bourgeoisie heute: Politische Entscheidungen werden v.d. Bourgeoisie getroffen, D.d.P. umgekehrt.
D.d.P. kann schon heißen, dass Teile d. Gesellschaft nd so politisches Mitspracherecht haben (einerseits so kinda Kleinbürgertum, und nicht alle Betriebe werden instantly und vollständig enteignet sein, viele wurden in Russland auch noch von ehemaligen Managern geführt, bestimmen aber nicht die politischen Geschenen).
In den Jahren nach d. Revolution war der Klassenwiderspruch schon noch sehr präsent, Pendel auf d. anderen Seite, aber nicht aufgelöst (TODO read abt years after Rev.).


Hanni input (not a Zusammenfassung, but important questions):

  • Dass wir jz die RKI gründen, ist dass nicht auch so bissl wie die Deutsche KPD?
  • Diszilin wird betont (e.g. page 11)
    • Diszipline heißt u.a. auch klar in der Politik und Theorie zu sein.

Duma war 1905 komplett useless, weil nur ein Spielzeug d. Zaristische Dikatatur, aber einige Jahre später (1910-15) war es dann sinnvoll, weil direktester, unkompliziertester Zugang zu den Massen.

Wir geben die Taktik / das Programm vor, als die Avantgarde, aber die AK muss sich selbst v. dieser Richtigkeit überzeugen. Deswegen muss man dort hingehen wo die Arbeiterklasse ist.

Sollen wir X machen / uns bei Y beteiligen sind keine Fragen, die immer richtig / falsch sind, sondern sind immer v.d. Situation abhängig, der Position und Entwicklung d. AK.

→ Deswegen machen wir auch so lange Analysen, wo wir Bewegungen verorten, wo nicht.

2 wichtigsten Feinde d. Bolschewismus: Revolutionaristen (Kleinbürgertum, dass von Radikal zu opposite schwenkt & Sozdem).
Bringen das Buch auch raus, eben weil wir das auch klären müssen jz, weil es schon manche Leute gibt die so Tendenzen haben (ich mach mein eigenes Ding; Gewerkschaft sind nur Arschlöcher).

HauM:
Vertretertum bei der KPÖ
JungeLinke sind eher so die, die mehr kämpferisch sind und schnell ausbrennen.

ErH:
Viele Leute sind wütend / kampfesbereit, aber sie sind largely abwartend (gehen nicht zur SPÖ u. zwingen sie nach Links, gehen nicht zur KPÖ und gründen auch nix neues). Bewegen sich no nd, deswegen können wir jz auch noch nd sagen, wir werden jz Mitglieder der KPÖ, weil jz die Massen alle dorthin gehen.

Chapters 5-7

→ read chapter 4 again (preparatory for chapter 5)
(This is where it gets concrete und wo er sich abarbeitet an den einzelnen Strömungen)

ErH Question for next Chapters: Wie soll input aussehen:

  • Bezug zu heute (soll sich auch jeder denken).
  • Jeder soll sich Frage raussuchen, die einem noch unklar ist.

Chap 5: Schreibt über deutsche linke opposition, im Hinblick auf 3. Internationale
Die waren zu übereifrig, “Alles alte zerstören”, direkt in den Kommunismus übergehen.
Sie wollten direkt neue Strukturen, neue Gewerkschaften schaffen eine von alten Sünden befreite neue, ausgeklügelte “Arbeiter-Union”, aus komplett neuen jungen und unerfahrenen Leuten, completely detached.
(Bissl so wie es die KlasseGegenKlasse Leute in Deutschland machen, die ja auch so Arbeitertreffen machen, wo sie Arbeiter einladen, die Meetings aber komplett ohne Führung und Agenda odso lassen und einfach in der Hoffnung die Arbeiter kommen selbst auf iwas drauf lmao (die meisten kommen nicht oft wieder)).

Die halb kleinbürgerliche, opportunistische Arbeiteraristokratie hat sich durch die Monopolstellung der imperialistischen kapitalistischen Nationen in Europa gebiltdet. Eine dünne Schicht and Opportunisten und Sozialchauvinisten, die ihre Interesseen verräterisch vertreten.
DIe opportunistischen Parteien haben sich dadurch auch mehr von den Massen isoliert.

Aus einem kleinen Fehler kann man stets einen ungeheurlich großen machen, wenn man auf dem Fehler beharrt, wenn man ihn vertieft begründfet, wenn man ihn “zu Ende führt”.

Die Klassen aufheben heißt nicht nur die Gutsbesitzer und Kapitalisten davonjagen – das haben wir verhältnismäßig leicht getan -, das heißt auch die kleinen Warenproduzenten beseitigen, diese aber kann man nicht davonjagen, man kann sie nicht unterdrücken, man muß mit ihnen zurechtkommen, man kann (und muß) sie nur durch eine sehr langwierige, langsame, vorsichtige organisatorische Arbeit ummodeln und umerziehen. Sie umgeben das Proletariat von allen Seiten mit einer kleinbürgerlichen Atmosphäre, durchtränken es damit, demoralisieren es damit, rufen beständig innerhalb des Proletariats Rückfälle in kleinbürgerliche Charakterlosigkeit, Zersplitterung, Individualismus, abwechselnd Begeisterung und Mutlosigkeit hervor.

Was passiert mit Frisör, Bäcker, Handyshop, …?

→ -) Der Markt verschwindet nicht sofort. -) Es ist mega viel Aufwand Kleinbürger zu sein. -) Also es würde einfach Sinn machen, sich in die geplante wirtschaft zu integrieren, und mehr und mehr zentral oder automatisiert zu machen. Bzw., sind sie sowieso vom Rest der Wirtschaft extrem abhängig. Heißt aber nicht, dass Restaurants etc. nur noch Massenabfertigung machen ofc. I don’t think that would be in anyone’s interest.

Was meint er mit “Charakterlosigkeit”?

→ Diese Schichten haben wenig Begeisterung für Innovation, weil sie - at least im Kapitalismus oder dann für ihren current way of life - existenzbedrohend ist. Halt idk, bei Bauern wär es wohl easy zu argumentieren, dass machinery = good.

Was für Resultate? Was ist so demoralisierend?

Es ist tausendmal leichter, die zentralisierte Großbourgeoisie zu besiegen, als die Millionen und aber Millionen der Kleinbesitzer „zu besiegen“; diese aber führen durch ihre tagtägliche, alltägliche, unmerkliche, unfaßbare, zersetzende Tätigkeit eben jene Resultate herbei, welche die Bourgeoisie braucht, durch welche die Macht der Bourgeoisie restauriert wird. Wer die eiserne Disziplin der Partei des Proletariats (besonders während seiner Diktatur) auch nur im geringsten schwächt, der hilft faktisch der Bourgeoisie gegen das Proletariat.

→ Alte Traditionen, Moral, Struktur. Esp. damals die Kleinbauern. So imagine du bist am Land mit deinem kleinen Hof und dann kommt aufeinmal irgendwer her und sagt jo wir stellen jz alles am Kopf.
Oder heutzutage FPÖ Wähler? also halt dieses psychologische, demoralisierende, ideologische Element, das gegen die Veränderung ankämpft, was überwunden werden muss.

Die Partei stützt sich bei ihrer Arbeit unmittelbar auf die Gewerkschaften, die nach den Angaben des letzten Kongresses (April 1920) gegenwärtig über 4 Millionen Mitglieder zählen und der Form nach parteilos sind. Faktisch bestehen alle leitenden Körperschaften der weitaus meisten Verbände und in erster Linie natürlich der Zentrale oder des Büros aller Gewerkschaften ganz Rußlands (WZSPS – Gesamtrussischer Zentralrat der Gewerkschaften) aus Kommunisten und führen alle Direktiven der Partei durch. Im großen und ganzen haben wir also einen der Form nach nicht kommunistischen, elastischen und verhältnismäßig umfassenden, überaus mächtigen proletarischen Apparat, durch den die Partei mit der KIasse und der Masse eng verbunden ist und durch den, unter Führung der Partei, die Diktatur der Klasse verwirklicht wird. Ohne die engste Verbindung mit den Gewerkschaften, ohne ihre tatkräftige Unterstützung, ohne ihre selbstlose Arbeit beim Aufbau nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Armee, hätten wir das Land selbstverständlich keine 2½ Monate, geschweige denn 2½ Jahre regieren und die Diktatur ausüben können. Diese überaus enge Verbindung bedeutet natürlich in der Praxis eine sehr komplizierte und mannigfaltige Arbeit der Propaganda, der Agitation, der rechtzeitigen und häufigen Beratungen nicht nur mit den leitenden, sondern überhaupt mit den einflußreichen Gewerkschaftlern und einen entschiedenen Kampf gegen die Menschewiki, die bis jetzt über eine gewisse, wenn auch ganz geringe Zahl von Anhängern verfügen, die sie zu allen möglichen konterrevolutionären Machenschaften anleiten – von der ideologischen Verteidigung der (bürgerlichen) Demokratie, dem Predigen der „Unabhängigkeit“ der Gewerkschaften (Unabhängigkeit – von der proletarischen Staatsmacht!) bis zur Sabotage der proletarischen Disziplin usw. usf.

Link to original

→ Diese Situation mit mächtigen Apparat auch in AT so. Nur, dass er nicht von Bolschewisten angeleitet wird, lol.
Sie hatten halt einen winzigen apparat. 1k Mitglieder, 1 Delegierter, 19 ZK Genossen. Bei 611k Mitgliedern…

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Alles machen können?

→ Im Rahmen von einem Betrieb / Branche.
→ Einen Überblick über die Gesamtgesellschaft / großes Allgemeinwissen.
→ “Sogar eine Hausfrau soll den Staat lenken können”
Teilung zwischen Hand- und Kopfarbeit aufheben.

Summary of the chapter pretty much:

Doch den Kampf gegen die „Arbeiteraristokratie“ führen wir im Namen der Arbeitermassen und um sie für uns zu gewinnen; den Kampf gegen die opportunistischen und sozialchauvinistischen Führer führen wir, um die Arbeiterklasse für uns zu gewinnen. Diese höchst elementare und ganz augenfällige Wahrheit zu vergessen wäre eine Dummheit. Und gerade diese Dummheit begehen die „linken“ deutschen Kommunisten, die aus der Tatsache, daß die Spitzen der Gewerkschaften reaktionär und konterrevolutionär sind, den, Schluß ziehen, daß man … aus den Gewerkschaften austreten!!, die Arbeit in den Gewerkschaften ablehnen!! und neue, ausgeklügelte Formen von Arbeiterorganisationen schaffen müsse!! Das ist eine so unverzeihliche Dummheit, daß sie dem größten Dienst gleichkommt, den Kommunisten der Bourgeoisie erweisen können. Denn unsere Menschewiki sind wie alle opportunistischen, sozialchauvinistischen und kautskyanischen Führer der Gewerkschaften nichts anderes als „Agenten der Bourgeoisie in der Arbeiterbewegung“ (was wir immer von den Menschewiki gesagt haben) oder, nach dem ausgezeichneten und zutiefst wahren Ausdruck der Anhänger Daniel de Leons in Amerika, „Arbeiterkommissare der Kapitalistenklasse“ (Labor lieutenants of the capitalist class). „Nicht in den reaktionären Gewerkschaften arbeiten heißt die ungenügend entwickelten oder rückständigen Arbeitermassen dem Einfluß der reaktionären Führer, der Agenten der Bourgeoisie, der Arbeiteraristokraten oder der verbürgerten Arbeiter“ (vgl. Engels’ Brief von 1858 an Marx über die englischen Arbeiter 16 überlassen.

++

Denn jede Wahrheit kann man, wenn man sie „überschwenglich“ macht (wie der alte Dietzgen zu sagen pflegte), wenn man sie übertreibt, wenn man sie über die Grenzen ihrer wirklichen Anwendbarkeit hinaus ausdehnt, ad absurdum führen, ja sie wird unter diesen Umständen unvermeidlich absurd. Und eben diesen Bärendienst erweisen die holländischen und die deutschen Linken der neuen Wahrheit, daß die Sowjetmacht den bürgerlich-demokratischen Parlamenten überlegen ist. Selbstverständlich wäre jemand, der so wie früher und ganz allgemein sagen wollte, daß ein Verzicht auf die Beteiligung an bürgerlichen Parlamenten unter keinen Umständen zulässig sei, im Unrecht.


In Westeuropa und Amerika hat sich das Parlament den besonderen Haß der fortgeschrittenen Revolutionäre aus der Arbeiterklasse zugezogen. Das ist unbestreitbar. Es ist durchaus begreiflich, denn man kann sich schwerlich etwas Niederträchtigeres, Gemeineres, Verräterischeres vorstellen als das Verhalten der übergroßen Mehrheit der sozialistischen und sozialdemokratischen Abgeordneten im Parlament während des Krieges und nach dem Kriege. Es wäre aber nicht nur unvernünftig, sondern geradezu verbrecherisch, dieser Stimmung nachzugeben, wenn die Frage entschieden werden muß, wie das von allen erkannte Übel zu bekämpfen ist. In vielen Ländern Westeuropas ist die revolutionäre Stimmung jetzt gewissermaßen eine „Neuheit“ oder „Seltenheit“, auf die man allzulange, vergeblich, ungeduldig gewartet hat, und vielleicht gibt man deswegen dieser Stimmung so leicht nach. Natürlich kann ohne revolutionäre Stimmung unter den Massen und ohne Bedingungen, die das Anwachsen einer solchen Stimmung fördern, die revolutionäre Taktik nicht in die Tat umgesetzt werden; wir in Rußland haben uns aber durch allzulange, schwere, blutige Erfahrungen von der Wahrheit überzeugt, daß die revolutionäre Taktik auf revolutionärer Stimmung allein nicht aufgebaut werden kann. Die Taktik muß auf einer nüchternen, streng objektiven Einschätzung aller Klassenkräfte des betreffenden Staates (und der ihn umgebenden Staaten sowie aller Staaten der ganzen Welt) sowie auf der Berücksichtigung der von den revolutionären Bewegungen gesammelten Erfahrungen aufgebaut werden. Es ist sehr leicht, seinen „Revolutionismus“ nur durch Schimpfen auf den parlamentarischen Opportunismus, nur durch Ablehnung der Beteiligung an den Parlamenten zu bekunden, aber gerade weil das nur allzu leicht ist, ist es keine Lösung der schwierigen, überaus schwierigen Aufgabe. In den europäischen Parlamenten ist es viel schwieriger, eine wirklich revolutionäre Parlamentsfraktion zu schaffen, als es in Rußland der Fall war. Gewiß. Aber das ist nur ein besonderer Ausdruck der allgemeinen Wahrheit, daß es für Rußland in der konkreten, historisch außerordentlich eigenartigen Situation von 1917 leicht war, die sozialistische Revolution zu beginnen, während es für Rußland schwerer als für die europäischen Länder sein wird, sie fortzusetzen und zu Ende zu führen. Bereits Anfang 1918 mußte ich auf diesen Umstand hinweisen, und die späteren zweijährigen Erfahrungen haben die Richtigkeit dieser Erwägung vollauf bestätigt. Solche spezifische Bedingungen wie: 1. die Möglichkeit, den Sowjetumsturz mit der dank diesem Umsturz herbeigeführten Beendigung des imperialistischen Krieges zu verbinden, der die Arbeiter und Bauern aufs äußerste erschöpft hatte; 2. die Möglichkeit, eine gewisse Zeit lang den auf Tod und Leben geführten Kampf der beiden weltbeherrschenden Gruppen imperialistischer Räuber auszunutzen, der beiden Gruppen, die sich nicht gegen die Sowjets, ihren Feind, vereinigen konnten; 3. die Möglichkeit – teilweise dank der ungeheuren Ausdehnung des Landes und den schlechten Verkehrsmitteln –, einen verhältnismäßig langwierigen Bürgerkrieg auszuhalten; 4. das Vorhandensein einer so tief gehenden bürgerlich-demokratischen revolutionären Bewegung unter der Bauernschaft, daß die Partei des Proletariats die revolutionären Forderungen von der Partei der Bauern (der Sozialrevolutionäre, einer Partei, die in ihrer Mehrheit dem Bolschewismus ausgesprochen feindlich gegenüberstand) übernehmen und sie dank der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat unverzüglich verwirklichen konnte – solche spezifische Bedingungen sind jetzt in Westeuropa nicht vorhanden, und die Wiederkehr solcher oder ähnlicher Bedingungen ist nicht allzu leicht möglich. Deshalb übrigens ist es, neben einer Reihe anderer Gründe, für Westeuropa schwerer, als es für uns war, die sozialistische Revolution zu beginnen. Diese Schwierigkeit dadurch „umgehen“ zu wollen, daß man die schwere Aufgabe der Ausnutzung reaktionärer Parlamente zu revolutionären Zwecken „überspringen“ möchte, ist reinste Kinderei. Ihr wollt eine neue Gesellschaft schaffen? und ihr fürchtet Schwierigkeiten bei der Schaffung einer guten Parlamentsfraktion aus überzeugten, treuen, heldenhaften Kommunisten im reaktionären Parlament! Ist das etwa nicht Kinderei? Wenn Karl Liebknecht in Deutschland und Z. Höglund in Schweden es sogar ohne Unterstützung der Massen von unten vermocht haben, Musterbeispiele einer wirklich revolutionären Ausnutzung reaktionärer Parlamente zu geben, warum sollte dann eine rasch wachsende revolutionäre Massenpartei unter den Nachkriegsverhältnissen der Enttäuschung und Erbitterung der Massen nicht imstande sein, sich in den schlimmsten Parlamenten eine kommunistische Fraktion zu schmieden?! Gerade deshalb, weil die rückständigen Massen der Arbeiter und – in noch höherem Grade – der Kleinbauern in Westeuropa viel stärker als in Rußland von bürgerlich-demokratischen und parlamentarischen Vorurteilen durchdrungen sind, gerade deshalb können (und müssen) die Kommunisten nur in solchen Institutionen wie den bürgerlichen Parlamenten von innen heraus den langwierigen, hartnäckigen, vor keinen Schwierigkeiten zurückschreckenden Kampf zur Enthüllung, Zerstreuung und Überwindung dieser Vorurteile führen.

Die deutschen „Linken“ klagen über die schlechten „Führer“ ihrer Partei und geraten darob in Verzweiflung, wobei sie sich bis zur lächerlichen „Verneinung“ der „Führer“ versteigen. Aber unter Bedingungen, wo man die „Führer“ häufig in der Illegalität verstecken muß, ist es besonders schwer, gute, zuverlässige, erprobte, angesehene „Führer“ herauszubilden, und diese Schwierigkeiten kann man nicht mit Erfolg überwinden, ohne die legale und die illegale Arbeit miteinander zu verbinden, ohne die „Führer“ unter anderem auch in der Parlamentsarena zu erproben. Die Kritik – und zwar die schärfste, schonungsloseste, unversöhnlichste Kritik – ist nicht gegen den Parlamentarismus oder gegen die parlamentarische Tätigkeit zu richten, sondern gegen jene Führer, die es nicht verstehen, die Parlamentswahlen und die Parlamentstribüne auf revolutionäre, auf kommunistische Art auszunutzen, und noch mehr gegen diejenigen, die das nicht wollen. Nur eine solche Kritik, natürlich verbunden damit, daß man die untauglichen Führer fortjagt und durch taugliche ersetzt, wird eine nützliche und fruchtbringende revolutionäre Arbeit sein, die gleichzeitig sowohl die „Führer“ erzieht, damit sie der Arbeiterklasse und der werktätigen Massen würdig sind, als auch die Massen erzieht, damit sie lernen, sich in der politischen Lage zurechtzufinden und die mitunter sehr komplizierten und verwickelten Aufgaben zu verstehen, die sich aus dieser Lage ergeben.

Chapter 8:

Ungeduld:

„‚Wir sind Kommunisten, (schrieben in ihrem Manifest die blanquistischen Kommunarden), weil wir bei unseren Ziel ankommen wollen, ohne uns an Zwischenstationen aufzuhalten, an Kompromissen, die nur den Sieg vertagen und die Sklaverei verlängern‘
Die deutschen Kommunisten sind Kommunisten, weil sie durch alle Zwischenstationen und Kompromisse, die nicht von ihnen, sondern von der geschichtlichen Entwicklung geschaffen werden, das Endziel klar hindurchsehn und verfolgen: die Abschaffung der Klassen, die Errichtung einer Gesellschaft, worin kein Privateigentum an der Erde und an den Produktionsmitteln mehr existiert. Die Dreiunddreißig sind Kommunisten, weil sie sich einbilden, sobald sie nur den guten Willen haben, die Zwischenstationen und Kompromisse zu überspringen, sei die Sache abgemacht, und wenn es, wie ja feststeht, dieser Tage ‚losgeht‘ und sie nur ans Ruder kommen, so sei übermorgen der Kommunismus eingeführt‘. Wenn das nicht sofort möglich, sind sie also auch keine Kommunisten.
Kindliche Naivität, die Ungeduld als einen theoretisch überzeugenden Grund anzuführen!“

Kompromisse beim Streiken, …:

Engels bringt in demselben Aufsatz seine tiefe Hochschätzung für Vaillant zum Ausdruck und spricht von dem „unbestrittenen Verdienst“ Vaillants (der ebenso wie Guesde ein hervorragender Führer des internationalen Sozialismus gewesen war, bevor beide im August 1914 den Sozialismus verrieten). Aber den offenkundigen Fehler läßt Engels nicht ohne gründliche Analyse. Sehr jungen und unerfahrenen Revolutionären scheint es, natürlich ebenso wie kleinbürgerlichen Revolutionären, sogar wenn sie sehr ehrwürdigen Alters und reich an Erfahrungen sind, außerordentlich „gefährlich“, unverständlich, ja falsch zu sein, „Kompromisse zu erlauben“. Und viele Sophisten (die übermäßig oder allzu „erfahrene“ Politikaster sind) argumentieren ebenso wie die von Gen. Lansbury erwähnten englischen Führer des Opportunismus: „Wenn den Bolschewiki dieses oder jenes Kompromiß erlaubt ist, warum sollen wir dann nicht beliebige Kompromisse schließen dürfen?“ Die Proletarier aber, die in zahlreichen Streiks geschult worden sind (um nur diese eine Erscheinungsform des Klassenkampfes herauszugreifen), pflegen sich die von Engels dargelegte überaus tiefe (philosophische, historische, politische und psychologische) Wahrheit ausgezeichnet anzueignen. Jeder Proletarier hat einen Streik mitgemacht, hat „Kompromisse“ mit den verhaßten Unterdrückern und Ausbeutern miterlebt, wo die Arbeiter die Arbeit aufnehmen mußten, entweder ohne überhaupt etwas erreicht zu haben oder indem sie darauf eingingen, daß ihre Forderungen nur teilweise befriedigt wurden. Jeder Proletarier erkennt, dank dem Milieu des Massenkampfes und der starken Zuspitzung der Klassengegensätze, in dem er lebt, den Unterschied zwischen einem Kompromiß, das durch die objektiven Verhältnisse erzwungen ist (wenn die Streikkasse leer ist, wenn die Streikenden keine Unterstützung von außen erhalten, wenn sie bis zum äußersten ausgehungert und erschöpft sind), einem Kompromiß, das bei den Arbeitern, die ein solches Kompromiß geschlossen haben, die revolutionäre Hingabe und Bereitschaft zum weiteren Kampf keineswegs beeinträchtigt – und anderseits einem Kompromiß von Verrätern, die ihren Eigennutz (Streikbrecher schließen ebenfalls ein „Kompromiß“!), ihre Feigheit, ihren Wunsch, sich bei den Kapitalisten lieb Kind zu machen, ihre Empfänglichkeit für Einschüchterungen, manchmal auch für Überredungskünste, für Almosen, für Schmeicheleien der Kapitalisten, hinter objektiven Ursachen verbergen (besonders viele solcher Kompromisse von Verrätern finden wir in der Geschichte der englischen Arbeiterbewegung bei den Führern der englischen Trade-Unions, doch haben fast alle Arbeiter in allen Ländern ähnliche Erscheinungen in dieser oder jener Form beobachtet).

Mehr Dummheiten (jeglichen Kompromiss absagen):

„Demzufolge ist jeder Kompromiß mit anderen Parteien… jede Politik des Lavierens und Paktierens mit aller Entschiedenheit abzulehnen…“ schreiben die deutschen Linken in der Frankfurter Broschüre.
Ein Wunder, daß diese Linken bei solchen Ansichten den Bolschewismus nicht entschieden verurteilen! Es ist doch unmöglich, daß die deutschen Linken nicht wissen, daß die ganze Geschichte des Bolschewismus, sowohl vor als auch nach der Oktoberrevolution, voll ist von Fällen des Lavierens, des Paktierens, der Kompromisse mit anderen, darunter auch mit bürgerlichen Parteien!
Krieg führen zum Sturz der internationalen Bourgeoisie, einen Krieg, der hundertmal schwieriger, langwieriger, komplizierter ist als der hartnäckigste der gewöhnlichen Kriege zwischen Staaten, und dabei im voraus auf das Lavieren, auf die Ausnutzung von (wenn auch zeitweiligen) Interessengegensätzen zwischen den Feinden, auf Übereinkommen und Kompromisse mit möglichen (wenn auch zeitweiligen, unbeständigen, schwankenden, bedingten) Verbündeten verzichten – ist das nicht über alle Maßen lächerlich? Ist das nicht dasselbe, als wollte man bei einem schwierigen Aufstieg auf einen noch unerforschten und bisher unzugängliehen Berg von vornherein darauf verzichten, manchmal im Zickzack zu gehen, manchmal umzukehren, die einmal gewählte Richtung aufzugeben und verschiedene Richtungen zu versuchen? Und Leute, die so wenig einsichtig und so unerfahren sind (noch gut, wenn sich das durch ihre Jugend erklärt: es ist das natürliche Vorrecht der Jugend, eine Zeitlang solche Dummheiten zu reden), konnten bei manchen Mitgliedern der Kommunistischen Partei Hollands – einerlei, ob direkt oder indirekt, offen oder versteckt, ganz oder teilweise – Unterstützung finden!!

Society is very diverse, there is not one big uniform proletariat, but many different shades, so ofc. we need compromises:

Der Kapitalismus wäre nicht Kapitalismus, wenn das „reine“ Proletariat nicht von einer Masse außerordentlich mannigfaltiger Übergangstypen vom Proletarier zum Halbproletarier (der seinen Lebensunterhalt zur Hälfte durch Verkauf seiner Arbeitskraft erwirbt), vom Halbproletarier zum Kleinbauern (und kleinen Handwerker, Hausindustriellen, Kleinbesitzer überhaupt), vom Kleinbauern zum Mittelbauern usw. umgeben wäre; wenn es innerhalb des Proletariats selbst nicht Unterteilungen in mehr oder minder entwickelte Schichten, Gliederungen nach Landsmannschaften, nach Berufen, manchmal nach Konfessionen usw. gäbe. Aus alledem aber ergibt sich für die Vorhut des Proletariats, für seinen klassenbewußten Teil, für die kommunistische Partei absolut unumgänglich die Notwendigkeit, die unbedingte Notwendigkeit, zu lavieren, Übereinkommen und Kompromisse mit verschiedenen proletarischen Gruppen, mit verschiedenen Parteien der Arbeiter und der Kleinbesitzer zu schließen. Es kommt nur darauf an, daß man es versteht, diese Taktik so anzuwenden, daß sie zur Hebung und nicht zur Senkung des allgemeinen Niveaus des proletarischen Klassenbewußtseins, des revolutionären Geistes, der Kampf- und Siegesfähigkeit beiträgt.

→ “Hart in der Strategie, flexibel in der Taktik”

Deutsche Revolution gescheitert, weil sie Reihe an taktischen Fehlern gemacht haben, nicht mit Gewerkschaften, SozDem etc. zusammenarbeiten wollten, und dadurch haben es Opportunisten wie Kautsky an die Spitze geschafft.

“Prinzipiendenkertum”

Objektive Situation, stärken und schwächen abwiegen und nicht von den Stimmungen irgendwelcher Gruppen ablenken zu lassen.
Taktische Rückzüge, … (Nicht zielführend schnell alle Kräfte zu verballern)

“Die Massen sind zu dumm, rückständig, nicht bereit, …” → Mit richtiger Taktik und Methode ist es in Russland 1917 auch geglückt, das viel rückständiger ist als alles heute.

“Die alte Ordnung löst sich in einer neuen auf” - Engels (Umso stärker AK / Bewegung etc., desto smoother die Auflösung).

Diskussion Chapter 8-10

“Alte Begriff Industrieproletariat ‘Bau/Handarbeiter’’”

Finden Reformen nicht gut, weil / wenn sie Anschlussfähig sind, wie zB UBI (illusorisch) oder die Frage nach dem Hausarbeitslohn (extrem reaktionär, isolierend, …) - weil diese Forderungen das zentrale Element d. Klassenbewusstseins nicht voran treiben.
Sie müssen Bewusstsein vortreiben + anschlussfähig sein.
Esp. im Spätkapitalismus, wo Reformen erkämpft werden müssen, fördern sie das Klassenbewusstsein.

Sozialchauvinismus / Sozialpatriotismus: Die Unterstützung der eignen Bourgeoisie vs. die böse andere Bourgeoisie. “Man muss den eigenen / europäischen Wirtschaftsstandort schützen (und als Politik Einsicht bekommen darin)”.

References

lenin
elections
Gewerkschaften